Die Datengrundlage
Grundlage sind die ECB-dated €STR-Futures: Terminkontrakte, deren Laufzeiten exakt an den Mindestreserve-Erfüllungsperioden der EZB ausgerichtet sind, also an den Zeiträumen zwischen zwei Ratssitzungen. Mit diesen Kontrakten sichern sich Banken und Fonds gegen Zinsänderungen ab. Ihr Kurs ist eine Wette mit echtem Geld auf den durchschnittlichen €STR-Geldmarktzins in genau einer Sitzungsperiode. 25bp verwendet börsentäglich die Abrechnungspreise (Settlements) sowie den jeweils letzten verfügbaren, mindestens 15 Minuten verzögerten Tageskurs. Die Rohkurse selbst werden aus lizenzrechtlichen Gründen nicht wiederveröffentlicht, nur die daraus abgeleiteten Wahrscheinlichkeiten.
Vom Kurs zur Wahrscheinlichkeit
Ein €STR-Future notiert als 100 − erwarteter Zins. Der Kursunterschied zwischen dem Kontrakt vor und dem Kontrakt nach einer Sitzung misst deshalb, wie viel Zinsänderung der Markt für genau diesen Zinsentscheid eingepreist hat. Geteilt durch die übliche Schrittweite von 25 Basispunkten ergibt das die eingepreiste Schrittzahl J:
J = (Kurs davor − Kurs danach) / 0,25
Ein J von 0,84 heißt: Der Markt preist 84% eines vollen 25-Basispunkte-Schritts ein. Daraus wird eine Wahrscheinlichkeitsverteilung über die beiden benachbarten ganzen Schritte gebildet (Linearverteilung): 84% für einen Schritt, 16% für keinen. Das ist dasselbe Grundprinzip, das auch das FedWatch-Tool der CME für die US-Notenbank verwendet.
Die Kette über mehrere Zinsentscheide
Für Zinsentscheide weiter in der Zukunft hängt das Ergebnis von allen dazwischenliegenden Entscheiden ab. 25bp faltet deshalb die Einzelverteilungen aller Sitzungen bis zum Zieltermin miteinander (Konvolution). Das Ergebnis ist die unbedingte Verteilung: die Wahrscheinlichkeit für jedes mögliche Zinsniveau nach diesem Zinsentscheid, egal auf welchem Weg es erreicht wird. Der erwartete Satz ist der wahrscheinlichkeitsgewichtete Durchschnitt dieser Verteilung.
Aktualität und Ausschlüsse
Aktualisiert wird zweimal je Börsentag. Ist der jüngste Kurs eines Kettenglieds älter als sieben Tage, wird der betroffene Zinsentscheid nicht berechnet. Lieber keine Zahl als eine scheinpräzise. Neue Kurse durchlaufen vor dem Schreiben ein Validierungs-Gate (Kursbereich, maximale Tagessprünge, Plausibilität der impliziten Schritte); scheitert es, bleibt der alte Stand stehen. Werte unter 1% werden nicht ausgewiesen.
Leitzinsen und Sitzungstermine
Sitzungstermine stammen aus dem offiziellen EZB-Kalender, die Leitzins-Historie aus der offiziellen Datenreihe des ECB Data Portal (Reihe FM.D.U2.EUR.4F.KR.DFR.LEV). Jede Zinsänderung wird am Mittwoch nach der Ratssitzung wirksam; darüber ordnet 25bp Änderungen automatisch der richtigen Sitzung zu. Es gibt keinen manuell gepflegten Datenbestand.
Was das Modell nicht kann
Drei Grenzen sind wichtig, und keine davon ist klein: Erstens bildet die Linearverteilung je Zinsentscheid nur zwei benachbarte Szenarien ab: Ein J von 0,5 kann „50% für +25 bp“ bedeuten, aber auch „25% für +50 bp“. Zwischenformen sieht das Modell nicht. Zweitens sind weit entfernte Kontrakte illiquide; einzelne Kurse können dort alt oder verzerrt sein. Drittens wird der Abstand zwischen €STR und Einlagensatz als konstant angenommen. Verschiebt er sich, verschieben sich auch die abgeleiteten Wahrscheinlichkeiten. Wie treffsicher der Markt historisch war, zeigt der Bereich „Prognose vs. Realität“; er gehört zur Methodik dazu.